Österreichische Gletscher weiter auf Rückzug
Umwelt
10.04.2012
Foto: © Andrea Fischer
Eishöhle im Mittelberg Ferner / Pitztal 2011
Das Jahr 2011 hat den österreichischen Gletschern stark zugesetzt - das machen die Ergebnisse des aktuellen Gletscherberichts deutlich. 97 Prozent der Eisriesen sind im vergangenen Jahr zurückgeschmolzen, drei Prozent wurden als stationär eingestuft. Kein einziger der 95 beobachteten Gletscher konnte 2011 einen Vorstoß verzeichnen. Bei 15 Gletschern wurden sogar Längenverluste von mehr als 30 Metern registriert.
Der größte Rückgang wurde auf dem Firmisan Ferner im Ötztaler Niedertal verzeichnet, der um 64,5 Meter zurückgeschmolzen ist. Dieser Gletscher ist neu im Messprogramm und wurde daher in den Durchschnittsberechnungen noch nicht berücksichtigt. Von jenen Fernern, die bereits seit Jahren beobachtet werden, sind Simony Kees (-56,0 m) und Viltragen Kees (-54,0 m) im Venedigergebiet am stärksten zurückgegangen. Das ebenfalls in der Venediger Gruppe gelegene Obersulzbach Kees (-50,5 m) und die im Ötztaler Rofental gelegenen Vernagt (-47,1 m) und Kesselwand Ferner (-43,8 m) gehören wie auch schon im Vorjahr zu den Gletschern mit den größten Rückgängen.
Zum extremen Gletscherschwund trugen nicht nur die hohen Temperaturen bei, sondern auch der geringe Eisnachschub von oben. Im Frühsommer 2011 war es deutlich wärmer als im langjährigen Mittel, was zu einer verfrühten Gletscherschmelze führte. Nährende Schneereserven waren in den Nordalpen kaum vorhanden. Auch der kühle Juli und die Schneefälle im September konnten die extrem warmen Spätsommermonate (3 GradC über dem Durchschnitt) nicht mehr ausgleichen. "Gerade in den Monaten, in denen in guten Gletscherjahren noch deutlich Zuwächse der Schneedecke verzeichnet werden können, startete 2011 schon die Schmelzsaison", so Andrea Fischer.
Keine Katastrophenszenarien
Aus dem fortschreitenden Rückzug der Gletscher lassen sich laut Andrea Fischer trotzdem noch keine Katastrophenszenarien ablesen. "Die Veränderung unserer Gletscherlandschaft mag zwar derzeit beträchtlich sein, aus den gesammelten Werten lässt sich dennoch nicht ableiten, dass die Gletscher eines Tages vollständig verschwinden werden. Es ist gut möglich, dass sie nach dem Rückgang wieder in eine Balance finden und einen stabilen Zustand erreichen", so die Gletscherforscherin.
